Eye Movement Desensitization an Reprocessing

EMDR – Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen

Ende der 80er Jahre machte die Psychologin Dr. Francine Shapiro eine bedeutende Entdeckung: Beim Spazieren bemerkte sie, dass belastende Gedanken und Ängste durch bestimmte Augenbewegungen an Intensität verloren. Aus dieser Beobachtung entwickelte sie EMDR, eine heute international anerkannte und wissenschaftlich gut erforschte Methode zur Traumaverarbeitung.

EMDR hat in der Psychotherapie eine neue Dimension eröffnet:
Sie wirkt nicht nur im Gespräch – sondern dort, wo die Erfahrungen im Körper und im Nervensystem gespeichert sind.

„We repeat what we don´t repair.“

(Christine Langley-Obaugh)

Wie wirkt EMDR?

EMDR nutzt den natürlichen Selbstheilungsmechanismus des Gehirns (ähnlich wie im REM-Schlaf) durch gezielte Augenbewegungen. Bei der sogenannten bilateralen Stimulation folgt der Blick der Klientin der Hand der Therapeutin von rechts nach links. Dabei werden beide Gehirnhälften abwechselnd angeregt. Belastende Erinnerungen können so verarbeitet, neu eingeordnet und emotional entkoppelt werden.

Die Erfahrung bleibt im Gedächtnis – aber sie verliert ihre überwältigende Wirkung. Die Erinnerung kann wie eine Datei geöffnet, angeschaut und wieder geschlossen werden, ohne dass sie das System erneut „überflutet“.

Seit 2006 ist EMDR in Deutschland als Methode zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Erwachsenen durch die gesetzlichen Krankenkassen anerkannt – sofern sie von approbierten Psychotherapeut:innen mit Kassenzulassung durchgeführt wird.

Anwendungsgebiete von EMDR

EMDR wird längst nicht mehr nur bei schweren Traumafolgestörungen eingesetzt. 

Die möglichen Einsatzbereiche sind mittlerweile sehr vielfältig:

  • Unfall, Schock
  • Trennung oder Tod eines geliebten Menschen
  • Emotionale Verletzungen, Vernachlässigung, Beziehungskonflikte
  • Erfahrungen von (psychischer) Gewalt, Mobbing
  • Depressive Verstimmungen, Burnout
  • Ängste, Angststörungen, Panikattacken
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Chronischer Stress und Überforderung im Alltag

Warum EMDR?

Egal, wie unterschiedlich sich Auswirkungen an der Oberfläche zeigen – EMDR und andere körperorientierte Verfahren setzen nicht nur bei den Symptomen an, sondern bei den Ursachen. Sie können dabei helfen, die Belastung an der Wurzel zu lösen.

Das Nervensystem, das durch Stress oder Trauma aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann sich wieder regulieren und in einen Zustand von Sicherheit und Stabilität zurückfinden.

So kann es leichter werden, gelassener auf die Herausforderungen des Lebens zu reagieren, den Alltag wieder mit mehr innerer Ruhe zu meistern – und Lebensfreude, Leichtigkeit und Verbundenheit neu zu erleben.